MARKUS STRASSER Instrumentalunterricht, Musikproduktion & Komposition
Ein Froschkönig, der Samba liebt (September 2007)
Der Musiker Markus Straßer aus Neuötting verbindet deutsche Texte mit südamerikanischen Elementen
Markus Straßer ist Alleinunterhalter. Ein Egozentriker? Einer, der mit anderen nicht kann? Der verwunschene Froschkönig vom Cover - ein Eigenbrötler? „Quatsch“, entgegnet der zurückhaltende Typ am Schreibtisch. Sein Blick schweift sofort ab vom Monitor, ein schneller Schwung um die eigene Achse mit dem Drehstuhl: „Ich habe zwar keine Band mehr, aber arbeite immer an verschiedenen Projekten mit vielen Leuten.“
Das stimmt. Sein Telefon klingelt oft, viel geht übers Internet. Kontakte zu Musikern weltweit. Denn wer die richtigen Bossa-Stimmen will, der sucht nach Musikern in Südamerika. Und findet sie: 2006 realisierte er online ein Bossa-nova-Projekt mit brasilianischen Musikern, mit Sängerin Solange de Souza gründete er das Duo „Sol e Mar“. Markus Straßer lernte sogar Portugiesisch, als ihn im letzten Jahr die brasilianische Musik verzaubert hat. „Seit zwei, drei Jahren interessiere ich mich für Bossa nova und Samba. Das fließt nun in meinen Stil ein“, sagt der 28-jährige Neuöttinger, den Blick wieder auf den Computermonitor gerichtet. Ein Klick mit der Maus auf den Ordner seiner selbstkomponierten Lieder, Lautsprecher aufdrehen und schon erklingt sein neustes Stück „Du bleibst Lokalist“. Deutscher Text auf Samba-Rhythmus. Extrem erfrischend, extrem wortwitzig - man erkennt sich wieder.
Neben über 20 CD-Eigenproduktionen zählt auch ein offizielles Album von 2004 zu seinen Veröffentlichungen: „Kiss Me, I‘m Frog“. Das zweite steht kurz davor, auf die silberne Scheibe gebrannt zu werden: Deutsche Texte mit latin-angehauchter Musik und brasilianischen Elementen. Vom Spielen der Instrumente über das Texten bis hin zum Gesang, Straßer macht alles selbst. Überhaupt bringt er sich Instrumente am besten selbst bei: Gitarre, Bass, Keyboard, Percussion und exotisches wie Cuica, Pandeiro, Charango, Chiringo oder Kalyuka.
Trotz musikalischer Einflüsse vom anderen Kontinent: Die Heimat ist wichtig in der täglichen Arbeit des Bayern. Es läutet, ein Gitarrenschüler steht vor der Tür. Straßer ist selbstständiger Instrumentallehrer. Sein Studium kommt ihm da zugute: Bis zum Abschluss 2006 studierte er Musikpädagogik, Psychologie und Pädagogik in Passau. Dort entdeckte der Helge-Schneider-Fan auch seine Vorliebe für brasilianische Musik, als er bei Tangospezialist Jürgen Schwenkglenks Unterricht nahm.
Die Bandbreite seiner künstlerischen Ambitionen ist groß: Für seine Magisterarbeit schrieb er eine Gitarrenschule für Linkshänder. Sogar eines seiner Gedichte findet sich in der Anthologie-Buchausgabe „Ausgewählte Werke II“ der Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichtes. Und nebenbei war Straßer schon bei Konzerten der „Neuöttinger Gitarrentage“ und der „Acoustic Night“ im Salettl Altötting dabei. Vor zwei Jahren komponierte er die Musik für das Kindermusical „Melvin“. Eine seiner Gitarren steht übrigens neben dem Bett, mit Zettel und Stift. „Ich wache nachts oft auf und habe die besten Einfälle, das muss ich dann gleich aufschreiben.“ Solveig Flörke